Lengacher
Emmenegger
Partner AG
dipl. Architekten ETH SIA BSA

 

Projektwettbewerb Wohn- und Pfarreiräume Kath. Kirche Inwil

 

Allgemein:
Der Neubau der Wohn- und Pfarreiräume ist Anlass, die Freiräume im Dorfzentrum neu zu organisieren und zu klären. Dabei werden die drei Bereiche Kirchengeviert, Postplatz und Wohnbau am Eibelerbach als prägnante Orte in der Mitte des historischen Dorfkerns ausgestaltet. Die drei Bereiche mit den verschiedenen Nutzungen sollen sich weiterhin nicht vermischen und werden so in ihrer Identität gestärkt. Das Kirchengemeindehaus liegt folgerichtig im Kirchengeviert, an der markanten Schnittstelle zwischen Postplatz und Eibelerbach. Das neue Wohngebäude wird in die Bachlandschaft eingebettet. Die zusätzliche Wegverbindung entlang der Friedhofsmauer verbindet die Hauptstrasse und dem Postplatz. Zwischen Kirche, Post und Bach entsteht ein durchlässiger und identitätsstiftender Zentrumsbereich.

Postplatz:
Der Postplatz ist mit seinem Parkplatz und der Busstation bereits heute ein belebter Ort im Dorfzentrum. Durch eine neue Anordnung der Parkplätze, die Entfernung der Rabatten, sowie durch die Pflanzung eines hallenartigen Baumdaches könnte der Ort mit sehr wenigen Mitteln als Platz räumlich fassbar und zum wichtigen Identitätspunkt im Dorfzentrum werden. Ein schattiger Aufenthaltsort am Bach begrenzt den Postplatz und bildet den Anfangspunkt des Kiesweges zur Brücke über den Eibelerbach. 

Kirchengeviert:
Das Dorf Inwil hat sich in den letzten Jahren vor allem nördlich der Kirche ausgedehnt. Zusammen mit der Busschleife hat so der Eingang zum Kirchengeviert ab dem Postplatz an Bedeutung gewonnen. Das neue Kirchengemeindehaus ist so platziert, dass es diesen wichtigen Eingang zum Kirchengeviert markiert und zum Haupteingang der Kirche weiterleitet. Beim Eingang zum Kirchengemeindehaus liegt der leicht erhöhte  Kiesplatz und grenzt sich durch eine lange Sitzbank entlang der niedrigen Mauer vom Postplatz ab. Auf der Ostseite wird dieser Kiesplatz durch einen pavillionartigen Parkbau mit dem gedeckten Aussenraum und den Werkräumen begrenzt. Rankhilfen ermöglichen ein Einwachsen und bilden eine Abgrenzung zum Friedhof. Es entsteht ein ruhiger Aufenthaltsort für feierliche Anlässe.
Die vier Eingänge und Ränder des Kirchenareals sind heute mit charakteristischen Tannen markiert. Am Vorplatz des Kirchengemeindehauses zeigt ein weiterer Baum den Zugang zum Geviert.
Das neue Kirchgemeindegebäude befestigt die Nordwestecke des Kirchengevierts. Durch das einfache Volumen und die klare Rythmisierung der Öffnungen wirkt das Gebäude unaufgeregt und zollt der Kirche den nötigen Respekt.
Im Erdgeschoss sind die öffentlichen Räume mit dem unterteilbaren Pfarreiraum und dem einladenden und grosszügigen Foyer angeordnet. Die Toiletten sind auch für die Friedhofbesucher jederzeit zugänglich. Im Obergeschoss sind Räume für das Pfarramt mit Sitzungszimmern, Arbeitsplätzen und Archiv untergebracht.
Die Einfachheit des Volumens findet sich in der Konstruktion wieder. Es ist mit einem Einsteinmauerwerk ausgeführt und wird analog den Gebäuden im Kirchengeviert verputzt.   

Wohnen am Eibelerbach:
Das neue Wohnhaus steht in der Nordwestecke der Bachschleife und integriert sich in die sehr grüne Umgebung mit den hohen Laubbäumen. Zusammen mit den zwei Nachbargebäuden wird ein eigenes dörfliches Wohnquartier zwischen Eibelerbach, Hauptstrasse und Kirchengeviert gebildet. Durch die leicht abgeknickten Ecken wirkt das Gebäude weicher und vermeidet die Aufnahme von geometrischen Beziehungen. Die Schindelfassaden erinnern an viele alte Häuser im Dorfzentrum, passen gut zur parkähnlichen Umgebung und grenzen sich klar von den verputzten Gebäuden im Kirchengeviert ab.
Der neue Wohnbau ist von zwei Seiten vom Bach umgeben. Tiefere heimische Strauchpflanzungen bis zu 1.40m Höhe grenzen den gemeinschaftlichen Vorbereich des Wohngebäudes von der wichtigen Wegverbindung im Dorfkern ab. Die Strauchpflanzungen klären auch den Übergang zur Einstellhallenabfahrt und zu den Nachbargebäuden. Entlang des Dorfbachs bietet sich eine Spielwiese zum schattig-kühlen Aufenthalt an.
Durch den fast quadratischen Grundriss ist das Gebäude sehr kompakt. Im Erdgeschoss sind zwei 4.5 Zimmerwohnungen und in den drei Obergeschossen je drei Wohnungen möglich. Durch das Schaltzimmer im Osten kann der Wohnungsspiegel nach Wunsch angepasst werden. Um die Umgebung nicht zu privatisieren wird im Sockelgeschoss keine Wohnung, sondern ein Gemeinschaftsraum für Feste und Veranstaltungen angeboten. Alle Bewohner erhalten so den direkten Zugang zur idyllischen Bachlandschaft. Durch die gemeinsame Dachterrasse entsteht zusätzlich ein sehr sonniger Aussenbereich mit guter Weitsicht.

Die Gebäude können im MINERGIE-Standard erstellt. Die für die Beheizung und das Brauchwarmwasser benötigte Wärmeenergie wird wahlweise über eine Pelletsheizung oder eine Erdwärmepumpe bereitgestellt. Für die Wärmeabgabe in den einzelnen Räumen ist eine Bodenheizung vorgesehen. Die Wohnungen verfügen zusätzlich über eine Komfortlüftung, allenfalls mit Überströmer für die Luftzufuhr, womit der erforderliche Luftwechsel auch ohne Fensterlüftung gewährleistet ist.

 

 

 

In Zusammenarbeit mit asp Landschaftsarchitekten, Zürich asp-land.ch

Projektbeschrieb