Studienauftrag Pfarreizentrum und Wohnungen, Rotkreuz, 2025
STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR
In einem grossen Bogen verbindet die Kirchenstrasse den zentralen Verkehrsknotenpunkt von Rotkreuz mit dem Kirchenhügel, der sich parallel zur Strasse den Hang hinauf entwickelt. Dieser prägnante Kirchenhügel umfasst neben der katholischen Kirche mit dem Pfarrhaus auch die reformierte Kirche. Die Entwicklungsgeschichte von Rotkreuz erklärt die späte Bauzeit beider Kirchen im 20. Jh. und ihren Standort auf dem Hügel, ausserhalb des Dorfzentrums. Aufgrund der baulichen Veränderungen im Zentrum Dorfmatt plant die katholische Kirchengemeinde Risch ein eigenständiges Pfarreizentrum. Auf dem Kirchenhügel, unterhalb der Kirche, soll neben dem Pfarreizentrum Wohnungen sowie ein grosszügiger Park entwickelt werden. Mit diesem Programm eröffnet sich die Möglichkeit den historisch wenig ablesbaren Ort mit dem neuen Kirchenareal zu einem identitätsstiftenden und innerdörflichen Ort zu gestalten und damit den Ortsbau zu stärken. Während sich das neue Pfarreizentrum unmittelbar zur Kirche orientiert, entwickelt sich der Wohnungsbau weiter hangabwärts, entlang der Kirchenstrasse. Aktuell befinden sich die Grundstücke in unterschiedlichen Bauzonen. Entlang der Kirchenstrasse liegt die Parzelle 628 in der W3-Zone, die daran anschliessende Parzelle 851 in der OeIB-Zone. In naher Zukunft sollen beide Parzellen in die Kernzone A umgezont werden, doch für den WBW gelten noch die bestehenden Bauzonen. Konkret bedeutet das die Aufteilung des Wohnungsbaus – Familienwohnungen können nur auf der Parzelle 628 realisiert werden, auf der Parzelle 851 Alterswohnungen. Dies konterkariert das räumliche Potential einer späteren Umzonung. Die prägnante Position beider unter Schutz stehenden Kirchen mit dem Kirchenhügel schliessen markante und grossmassstäbliche Wohnbauten aus. Kleinteilige und ortstypische Wohnbauten reagieren auf ihre Umgebung und erlauben eine Durchlässigkeit zum Kirchenhügel. Im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen und der städtebaulichen Situation wird das Wohnhaus auf der Parzelle 628 erhalten und zu vier Wohnungen umgebaut. Die Erschliessung wird auf das neue schmale Nachbargebäude verlagert, welcher unmittelbar an die Zonengrenze gesetzt wird. So entstehen zwei kleinteilige Volumen für die grossen Wohnungen. Das grössere Wohnhaus mit den Alterswohnungen entsteht auf der Parzelle 851. Die Setzung des Pfarreizentrums oberhalb und zwischen den neuen Wohnhäusern respektiert die Kirche und drängt sich nicht auf. Auf dem nördlichen Kirchenplatz erscheint es als eingeschossiges Volumen, das sich mit dem Foyer zum Platz und zur Aussenterrasse im Westen öffnet. Auf dem Weg zum Kirchenhügel bleibt der Blick zur Kirche gewahrt.
FREIRAUMGESTALTUNG UND ERSCHLIESSUNG
Die Darstellung der Wegbeziehungen auf der Siegfriedkarte von ca. 1890 belegen schon früh die Anlage der Kirchenstrasse und des Kirchenweges, sowie die begrünte Kuppe im Gegensatz zum Feuchtgebiet im Tal.
Mit dem Bau der katholischen Kirche, der Anlage des Friedhofes nach Süden und dem späteren Bau der protestantischen Kirche, wurde aus der leicht bewegten Topographie mit Wiesen und Obstgehölzen, der Kirchenhügel. Mit der Sanierung des Friedhofes 2024 wurde neben der Erweiterung der Grabstellen, die bestehenden Strukturen und Achsen erhalten, die Zugänglichkeit zum Kirchenhügel verbessert und auf dem Friedhof die Aufenthaltsqualitäten durch Gehölzpflanzungen und Sitzmöglichkeiten verbessert. Mit der Idee des neuen Parks, wird daher ein Landschaftspark verstanden, welcher zum einen die bestehenden Einbauten zurücknimmt, damit im Norden der Wiesenhügel mit den Kirchen wieder als solcher in Erscheinung tritt und bestehende Nutzungen einbindet.
Die Kirchenstrasse wird die Adresse der Wohnbauten am Fusse des Hügels. Eine Baumreihe aus landschaftlichen Gehölzen, wie Crataegus begleiten neu den Weg und schaffen eine fast dörfliche Atmosphäre.
Die gemeinschaftlichen Plätze des Alterswohnen sind daher für den nachbarschaftlichen Plausch und Austausch auf die Kirchstrasse ausgerichtet.
Die bestehenden Wegverbindungen bleiben erhalten und durch den behindertengerechten Weg auf den Kirchenhügel durch die offene Wiesenlandschaft mit malerischen, landschaftlichen Gehölzen wie Prunus padus auf einfache Weise ergänzt. Darüber hinaus erscheint es wichtig die heutig noch fehlende Wegverbindung der beiden Kirchen untereinander noch zu ergänzen, um somit schon bestehenden Orte stärker miteinander in Kontext zu setzen. Neue gemeinschaftliche Orte entstehen daher eher zurückhaltend punktuell entlang der Kirchenstrasse als Kreuzungspunkt entlang der Wege sowie auf dem Kirchenhügel selbst in Verbindung des neuen Pfarreizentrums. Die Materialisierung um die katholische Kirche wir zurückhaltend vorgeschlagen. Ein Fries aus Natursteinplatten formuliert neu die Aura der Kirche. formal wird der Platzbereich im Osten leicht angepasst und stärker gefasst. Die Zufahrt zur Kirche bleibt von der Meierskappelerstrasse erhalten, sodass hier auch die behindertengerechte Parkfelder angeboten werden. Der neue Vorplatz zum Pfarreizentrum bietet Aufenthalt in leicht erhöhter Lage und verbindet die unterschiedlichen Niveaus des Pfarreizentrums miteinander. Die Linde als Symbol für Frieden, Gerechtigkeit und Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens bildet den Abschluss und Merkpunkte auf dem Kirchenhügel.
In Zusammenarbeit mit
Schärli Architekten AG, Luzern
blgp architekten ag, Luzern
Appert Zwahlen Partner AG, Cham
Eicher + Pauli AG, Luzern
Gruner AG, Zug
Die Projektfabrik AG
Visualisierung
Pyxel GmbH, Luzern




